Samstag, 21. Januar 2017

22.-25.11.2016, Besuch bei den Pa-O

Wir besuchen das Büro einer Organisation, die Trekkings in der Umgebung durchführt und melden uns für eine dreitägige Wanderung an. Das Büro ist fürstlich eingerichtet, zwei Angestellte, wir seien die ersten Besucher dieser Saison. Dieses Projekt, von einer NGO angestossen, soll den Pa-O, einer ethnischen Minderheit, ein Zusatzeinkommen verschaffen und einen massvollen Tourismus fördern. Wie genau der Gewinn davon - das Trekking ist rund vier Mal so teurer wie bei kommerziellen Anbietern - eingesetzt wird, kann man uns nicht so genau erklären, doch wir hoffen, dass tatsächlich etwas am richtigen Ort hängen bleibt und freuen uns nun auf diese Wanderung, die etwas abseits der viel begangenen Pfade in dieser Region durchführen soll.
Der Aufstieg von 900m auf fast 1500m nach Hte Ne, unserem Übernachtungsort, war anstrengend, denn der morgendliche Herbstnebel über dem See verflüchtigte sich rasch.


Unser Führer Wahra entpuppt sich als perfekte Wahl, er spricht nicht nur gut Englisch, er weiss auch sehr vieles zur Gegend zu sagen und Anekdoten zu erzählen. Selbst Humor hat er, ich muss mich korrigieren, ich denke, der fehlende Humor, den ich den Asiaten gerne vorwerfe, liegt vielleicht doch stark daran, dass die sprachliche Verständigung nicht gut genug ist. Wahra mindestens lacht oft und ist nie dozierend, weiss jedoch auf alle Fragen eine Antwort. Auch kann man mit ihm über die Schwierigkeiten des Landes diskutieren, das scheint kein Problem mehr zu sein. Offen spricht er über die Zeit der Militärdiktatur. Darüber auch, dass man nach den Wahlen 2016 doch allgemein sehr optimistisch sei. Vieles habe sich verbessert, die Rückkehr des Militärs scheint für ihn keine Möglichkeit mehr zu sein.

Bunt gemischt folgen hier Gedanken und Gesprächsfetzen dieser drei Tage.


Die Intha
Die Intha, nebst den Pa-O und den Shan die Hauptbevölkerungsgruppe der Gegend, lebt am und auf dem See. Dort sei es schwierig gewesen, die Toten zu begraben, weshalb man sie in Holzkisten mit kleinen runden Löchern getan habe und diese im See versenkt. Die Aale, hier sehr beliebte Fische, würden mit Vorliebe Aas fressen, also auch Menschen, was wiederum die Intha als positiv empfänden, denn so könnten sie mit ihren Vorfahren in Verbindungen bleiben.


Entwaldung und Umwelt
Die Hänge rings um den Lake Inle sind stark entwaldet, richtigen Dschungel findet man kaum. Zu Zeiten der Diktatur hätten die Militärs alles Teakholz für sich beansprucht und ins Ausland verkauft. Der Baum ist nun selten, ein Waldmanagement, wie man dies zur Zeit der Briten noch gekannt habe, existiere seit 50 Jahren nicht mehr. Ein weiterer Grund, weshalb mich die Hänge an räudige Köter erinnern, ist der Tatsache zuzuschreiben, dass es auf den Gipfeln, wo die Pa-O bevorzugt wohnen, an Wasser mangelt. Es würden praktisch nur Cheroot-Büsche für die Zigarrenindustrie am See angepflanzt, seltener eine Hülsenfrucht, die zu Bier verarbeitet wird. Lebensmittel müssten die Leute einkaufen. Diese einseitige Abhängigkeit von den Marktpreisen sei schuld für die Armut der Leute. Zusätzlich brauche das Trocknen und Pressen des Cheroot zu riesigen Zylindern enorm viel Brennholz, was mitverantwortlich für die ausgelichteten Baumbestände sei. Daneben werde für Kulturen gerodet, die in den steilen Hängen nur 2-3 Jahre fruchtbar blieben.



Aufforstungsprojekte gebe es, die würden in den sechs Monaten ausserhalb der Touristensaison durchgeführt. Angepflanzt werden Jacaranda- und Banyanbäume, beide offensichtlich genügsam und nicht auf Bewässerung in der Jugend angewiesen. Der Banyanbaum hat zusätzlich den Vorteil, ein heiliger Baum zu sein, in dem die Nats, die guten und bösen Naturgeister wohnen. Wenn man aus irgend einem Grund solch einen Baum trotzdem fällen müsse, dann müsse man dies den Nats sieben Tage im voraus sagen und diese mit Opfergaben und Feiern gütig stimmen. - Nicht ganz so einfach also, solch einen Baum zu fällen.....

Die tiefen Einschnitte in den Hängen am südlichen Ende des Lake Inle, die für uns keinen Sinn machen, auf jeden Hügel eine Strasse, doch eine Verbindung ergibt sich so nicht - an blutende Wunden erinnert mich die rote Erde der angeschnittenen Hänge - das seien Projekte der ehemaligen Militärregierung, meint Wahra. Weitere Resorts auf dem Lake Inle seien nicht mehr erwünscht gewesen, so habe man teure Hotels mit Sicht auf den See geplant. All diese Projekte seien jedoch von der neuen Regierung gestoppt worden, die Verletzung der Hänge aber, wird noch eine Weile sichtbar bleiben.
In der Gegend fehle es an Fabriken und grösserem Gewerbe. Auch dies ein Erbe der Militärdiktatur. Nur kleinere Geschäfte und Werkstätten seinen verschont gewesen von der Gier des Militärs, so habe niemand gross investieren wollen.

21.11.2016, Nyaungshwe

Eine Bootstour auf dem See gehört zum Programm wenn man als Tourist an den Lake Inle geht. Die berühmten Beinruderer werfen sich zwar heute fast nur noch für Fotos in Pose, der Motor ist viel praktischer, und so knattern unzählige Touristenboote mit Sitzen und Schwimmwesten auf dem See herum und mindestens ebenso viele Boote für Einheimischen mit doppelt so viel Insassen pro Boot. Diese langen schmalen Boote sind das geläufigste Verkehrsmittel, nur dass bei den Einheimischen Sitze und Schwimmwesten fehlen.




Auch Lasten werden mit den Schiffen verschoben, Waren oder Seetang für neue schwimmende Beete. Diese Grundstücke sind ursprünglich Seehyazinthenfelder, die mit Seetang gepolstert bis zu einem Meter dick und schliesslich sehr fruchtbar werden.  Im Reiseführer lese ich, dass man die auch verkaufen könne und von unserem Guide erfahre ich einen Tag später, dass, wenn das so weiter gehe, der See innert rund 50 Jahren komplett verlandet sei. Zwar ist er rund 30km lang und 10km breit aber nur 3m tief. Es habe in den letzten Jahren häufig wenig Regen gegeben, der Seespiegel sei gesunken. Als dann ein Jahr mit mehr Regen gefolgt sei, da seien viele Beete überflutet worden, denn die Vegetation habe sich bereits mit dem Seeboden verwurzelt. Sinn machen weitere schwimmende Beeten bedingt, denn viele Beete würden nur noch gerade genutzt, wenn der Tomatenpreis sehr hoch sei, Tomaten sind die Hauptfrucht der Gegend. Leute zu finden, die noch in der Landwirtschaft arbeiten wollten, sei schwierig geworden, im Tourismus verdiene man viel mehr. Was wir aus eigener Erfahrung bestätigen können.




Unser Bootsführer steuert eine Weberei an - mindestens gibt der Ort vor, eine solche zu sein - wo man uns zeigt, wie die Seidenfasern aus den Lotusstängeln gewonnen werden, extrem aufwändig, muss ich zugeben, und anschliessend versponnen und gewoben. Der Sinn dieses Stopps war allerdings vor allem, uns in einen Shop zu locken wo Stoffe jeglicher Art verkauft werden. Lotusseide kaufen wir keine, die ist wirklich unheimlich teuer, doch lasse ich mich von einem Seiden-Ikat-Longyi verleiten. Wohl wissend, dass es mit Seide immer so eine Sache ist. Kurz, der Stoff ist sehr schön, Ikat Technik ist es ebenfalls, denn die Querfäden sind zebrastreifig eingefärbt, nicht aufgedruckt, doch Seide ist es wohl kaum, das ergibt die Brennprobe im Hotel.
Wir besuchen anschliessend auch noch die Werkstatt eines Schmiedes, beeindruckend, diese Handfertigkeit bei der Herstellung von Klingen und Macheten, einen Silberschmied, da ist man beim Druck zu kaufen bereits wenig zimperlich, und einen Ort, wo Frauen Cheroot-Zigarren drehen, die Spezialität der Gegend. Da ich nicht mehr rauche, gibt es auch diesmal kein Geschäft.
Nach einer einfachen Malzeit auf einer Terrasse an einem der Kanäle - am Südende des Lake Inle fühlt man nicht wirklich, dass man auf einem See ist - werden wir noch nach Indein, zu einem antiken Tempelfeld gebracht. Den Weg zu den Stupas auf den Hügeln müssen wir suchen, die Ruinen sind offensichtlich wenig besucht, drei Hunde begleiten uns durch die mottende Abfallhalde hinauf.


Landschaftlich gesehen - die Fahrt auf dem Schiff - war der Tag trotzdem ein Genuss, auch wenn die Gegend nun wirklich vom Tourismus verdorben worden ist und das Gedränge auf dem See und vor allem in den Kanälen die gepriesene Romantik und Stille doch massiv stört

20.11.2016, Nyaungshwe

Besichtigung von Nyaungshwe bei Tag, klein und gemütlich, viele angenehme Restaurants - mindestens für mich, die der burmesischen Küche schon etwas überdrüssig ist - hier gibt es Inder, Thais, aber auch Pizza und Pasta und Sandwiches, ich gebe es zu, das ist mir ganz recht.




Zum zweiten Mal auf dieser Reise werde ich unangenehm und manchmal aufdringlich angequatscht, alle wollen hier etwas verkaufen, Bootsfahrten, Velos, man kennt den Geschmack der Ausländer. Ich fahre mit meiner Methode, freundlich aber bestimmt "nein" zu sagen oder den Kopf zu schütteln nicht schlecht.
Wir besuchen das Buddhamuseum, eigentlich eine Tempelanlage, wie alle Heiligtümer hier etwas verlottert, der andächtige buddhistische Glauben scheint mir im südlichen Shan State verloren gegangen zu sein, kaum Betende, keine Opfergaben. Dafür wird hier ausgiebig gefestet. All diese Vollmondfeste. Feuerwerke hört man fast täglich, eigentlich zu Ehren von Buddha, mir scheint das eher - wie bei uns die Fasnacht - eine willkommene Gelegenheit zum feiern zu sein.

19.11.2016, Nyaungshwe

Der Markt in Kalaw ist bunt, unendliche viele Sorten Gemüse hat es, manche kenne ich, manche, vor allem auch Blüten, habe ich noch nie als Esswaren angeboten gesehen, Früchte finden sich wenige, Orangen, Bananen und Äpfel, aus China sagt man mir später, Wassermelonen ebenfalls, manchmal Papayas und Ananas. Früchte sind allgemein teuer. Fisch aus dem Inle See, jegliche Formen und Grössen, frisch und getrocknet, dann gerne zu dekorativen Formen verdreht. Selbst die Blätter, in welche die Betelnuss - das Kauen ist hier ein verbreitetes Laster - eingedreht wird, sind in Körben schön angeordnet.






Am Nachmittag fahren wir mit dem Zug nach Shwenyaung. Die Fahrt führt durch ein Hochplateau, das noch etwas weiträumiger und auch ausgeräumter ist als dasjenige nordöstlich von Pyin U Lwin. Reis, Mais und Gemüse werden angebaut, auch hier kenne ich lange nicht alles.
Auffällig ist eine gelb blühende Kultur, die wie Margeriten aussieht. Der Guide, der zwei französischen Paare begleitet, bezeichnet das als schwarzen Sesam, was ich nicht glaube. Guizotia Abyssinica, werden wir später herausfinden, ist der richtige Name, sie wird ebenfalls wegen der öligen Samen angebaut.



Später wird die Ebene abwechslungsreicher, einzelne Pinien zerstreut in den Feldern, vermehrt auch Grasland,  Kuhherden und ab und zu sieht man einen schweren Wasserbüffel alleine grasen oder bei der Arbeit. Aus dem Zug heraus wird mit langen Objektiven geschossen, ich mache es diskreter mit iPhone. Die modernen Jäger, geht mir durch den Kopf, dieselbe Spannung. Im richtigen Augenblick muss abgedrückt werden. Keine leichte Aufgabe - insbesondere in Fahrt.

Nach der Fahrt durch die Ebene und dem Halt in Heho, geht die Strecke dann steil abwärts durch undurchdringliches Dickicht. Die Bremsen quietschen und als es dunkel wird erreichen wir die tiefer gelegene Ebene der Inle Region. Ein TukTuk führt uns wenig komfortabel bis zu unserem Hotel. "The little Inn" ist eine einfache aber angenehme kleine Bungalowanlage in einem hübschen Garten

18.11.2016, Kalaw

Gestern stand die Reise nach Kalaw auf dem Programm, einer Höhenstation der Briten Richtung Inle See. In der Peacock Lodge empfiehlt man uns einen Minibus, doch ich werde nicht wirklich glücklich in diesem Gefährt mit schwarzen Scheiben, die zwar vor der Sonne schützen, jedoch die Landschaft draussen richtig traurig erscheinen lassen. Die Fahrt südwärts durch die Ebene ist langweilig, doch die spektakuläre Strecke, die sich in die Berge hinauf windet, hätte einen besseren Ausblick verdient. Das Gelände ist weit schroffer als im Norden, neben der Strasse der Abgrund und der Verkehr ist dicht. Schwere Lastwagen und Busse, das Kreuzen und vor allem Überholen ist eine nervenaufreibende Sache.

Am Nachmittag kommen wir heil in Kalaw an, einem hübschen Ort auf 1350m, auch mit dem Hotel "Pine Breeze" bin ich sehr zufrieden. Ein angenehmes Zimmer und ein Restaurant mit prächtigem Ausblick im vierten Stock, ich schreibe jetzt gerade dort. Das Hotel ist unweit vom Zentrum zuoberst auf einem Hügel und damit ideal gelegen.


Die Gegend um Kalaw riecht anders, wahrscheinlich tragen die vielen Pinienwälder - Nadelhölzer sind immer unerwartet in den Tropen - zu dem frischen Geruch bei. Die alten Kolonialhäuser aus dunklem Holz erinnern mich etwas an Schweizer Chalets. Es ist sehr grün, gemütlich auch, eher ein grosses Dorf, umgeben von mehr oder weniger dicht bewaldeten Hügeln. Die Orientierung ist nicht einfach, da es keine ausgeprägten Täler und Bergrücken hat. Wieder einmal ist frisches Jogurt erhältlich, eine Wohltat für meinen armen Magen, der seit meinem vergorenen "green tea salad" etwas mürrisch ist und häufig brennt. In Kalaw haben sich viele Nepalesen angesiedelt und zwei davon haben ein Restaurant aufgemacht.



Am Abend wird es frisch, man spürt die Höhe, Wolkenwalzen streichen die Hänge hinauf, der Morgen startet mit Nebel, aber am Tag, in der Sonne,  ist es immer noch heiss.
Wir machen einen Spaziergang in der Umgebung und treffen glücklich aussehende Schweine an, die in etwas erhobenen nicht allzu kleinen Käfigen aus Holzlatten wohnen, und laufen - ohne dass wir es bemerken - durch ein Militärgelände hindurch und werden dabei nicht aufgehalten. Überhaupt sind die Leute sehr freundlich und sprechen allgemein gut Englisch, was nicht ganz erstaunt, trifft man hier doch sehr viele Ausländer an.



Als ich eine hübsche kleine Holzbrücke und das Gebäude dahinter fotografiere - es leuchtet gerade im warmen Abendlicht - ruft uns ein alter Mann herbei. Halb Afghane und halb Burmese sei er und während der Zeit der Militärdiktatur im Gefängnis gewesen. Nun habe er hier eine Schule gegründet für Kinder aus armen Familien und solchen, die Gewalt in den verbleibenden Konfliktzonen erfahren hätten. Bei ihm lebten nun Kinder und Jugendliche verschiedener Ethnien und würden so lernen friedlich zusammen zu leben. Bei den Kindern müsse man anfangen, wenn man eine Gesellschaft verändern wolle. Er beauftragt die Schüler mit uns Englisch zu sprechen und uns auf dem Gelände herum zu führen. Wir besichtigen das Klassenzimmer, die Gemüseflächen wo das Essen angebaut wird, die Schlafräume, einfache grosse Stuben mit Matten und Wolldecken am Boden. Auch stellt er uns einen asiatisch aussehenden belgischen Volontär vor und erzählt, dass er von Europäern unterstützt werde. Schliesslich lässt der Mann uns von zwei Mädchen wieder auf die Strasse hinaus führen und verabschieden, ohne dies selber getan zu haben. - Hat er erwartet, dass wir ihm ebenfalls Geld versprechen und ist nun enttäuscht? Gedrängt mindestens hat er uns nicht.


16.11.2016, Mandalay

Gestern Abend nahm ich den Zug zurück nach Mandalay. Um 16 Uhr solle ich in der Station sein, hiess es. Der Zug fuhr zwar pünktlich ein, doch dann manövrierte er hin und zurück, vielleicht stimmt schlussendlich doch, was die junge Deutsche meinte, nämlich  dass der Zug erst zwanzig vor sechs abfahre. Dann mindestens, als wir gerade wieder einmal in der Station Halt machten, stiegen auch die Einheimischen ein.
Rumpelnd wird weiter rangiert, manchmal einen Kilometer vorwärts, dann wieder zurück. Dumpfe Geräusche, nach rund zwei Stunden, es ist bereits 19 Uhr, entschliesse ich mich auszusteigen und ein Taxi zu suchen. Nein, nein, meint der Stationsvorsteher, jetzt gäbe es keine Taxis mehr, ich solle wieder einsteigen, der Zug fahre in einer Viertel Stunde ab. Ich scheine seinen Berufsstolz verletzt zu haben. In einer Essbude kaufe ich zwei Portionen Reis mit Poulet, eines für Julie, die junge Deutsche, und eines für mich. Der Zug fährt dann auch wirklich ab wie versprochen und die Weiterfahrt ist problemlos.
Julie erzählt mir von ihrem 3-monatigen Freiwilligeneinsatz in Mandalay als "teacher trainer". Ob sie denn eine Ausbildung habe? Nein, gerade Abitur gemacht, meint sie. Aber auch so könne man den Lehrern hier etwas beibringen, die hätten von Unterricht geben, Unterrichtsplänen und Lernzielen keine Ahnung. Nein, es habe auch keine Ausbildung oder Einführung für die Volontäre gegeben, da sei man ganz auf sich gestellt und mache, was man wolle. Sie selber habe sich dem Computerunterricht angenommen und drei Personen dafür ausgebildet. Computer habe es, die seien von einer Hilfsorganisation gespendet, jedoch bisher nicht benutzt worden. Ja, das sei recht chaotisch, verschiedene kleine Hilfsorganisationen würden sich engagieren, nicht abgesprochen, etwas frustriert sei sie schon. - So rücken wir recht rasch in der Nacht vorwärts, die Halte an den Stationen sind kurz, es steigen weder Leute ein noch aus, bis Mandalay haben wir mehr als die Hälfte der Verspätung aufgeholt. Im Zug ist ein mehrstimmiges Schnarchen zu hören, daneben Geschrei und Musik aus Abenteuerfilmen die auf Handys angeschaut werden, auch ich döse ein, im Bahnhof von Mandalay kommen wir gegen Mitternacht an.

Dort ist es um diese Zeit doch etwas beunruhigend und ich bin froh, zusammen mit Julie unterwegs zu sein und denke, sie ist auch froh um mich. Leute liegen am Boden herum und schlafen, ein schmutziger Irrgarten scheint mir das Bahnhofsgebäude, ich hätte Mühe gehabt allein hinaus zu finden. Zusammen nehmen wir ein Taxi, das mich im Hotel ablädt. Der Chauffeur wartet, bis ich die schlafenden Hotelangestellten aufgeweckt habe und sie mir das Tor geöffnet, was mir zu denken gibt. Doch Julie, mit ihrer längeren Erfahrung hier, hat mir bereits gesagt, dass es in der Nacht durchaus nicht ungefährlich sei und ich nicht zu spät alleine unterwegs sein sollte.



Am Morgen treffe ich Monika zum Frühstück, sie ist gut gereist und bereits fit. Am Nachmittag bringt ein Chauffeur uns erst zu einer sehr langen Teakholzbrücke über einen See und anschliessend auf eine Pagode in Sagaing, von der aus man eine wundervolle Sicht auf die Landschaft bei Sonnenuntergang geniesst. Das Leuchten der über die Hügel verteilten goldenen Kuppeln im letzten Abendlicht ist berauschend und unten im Fluss sehe ich die "RV Mandalay" vor einer Sandbank ankern.




Freitag, 20. Januar 2017

15.11.2016, Pyin U Lwin



The National Kandawgyi Gardens, in meinem Führer als der bedeutendste Botanische Garten Myanmars angepriesen, ist eine Attraktion für einheimische Touristen. Hier bin ich ausnahmsweise als westliche Touristin eine Seltenheit. Die Besucher kommen aus Mandalay, selbst aus Yangon. Etliche Male werde ich gefragt, ob man sich mit mir fotografieren dürfe. Das Publikum ist allgemein sehr jung, Schulklassen viele, auch Liebespärchen, und die benehmen sich genau gleich wie Jugendliche bei uns und sind sogar gleich gekleidet. Das erstaunt mich. Mindestens in Mandalay waren die Leute in den Strassen doch sehr traditionell gekleidet. Das Handy ist allgegenwärtig und der Selfismus ebenfalls. Der Ablichtende, die Partnerin, vielleicht noch ein weiterer Freund - und im Hintergrund  sollte der Straussenvogel und die Pagode sichtbar sein. Das braucht Planung und Verrenkungen.
Im Garten fahren elektrisch betriebene Gefährte herum, was bei der Grösse der Anlage gerechtfertigt ist, es bleibt so angenehm ruhig. Einzig ein Affe in einem Baum - ein Brüllaffe? -macht einen ganz wahnsinnigen und auch enorm vielfältigen Lärm, so dass ich erst dachte, dies seien die vielen Jugendlichen.
Im Gebüsch treffe ich einen Reinigungstrupp an, das ist notwendig, denn die meisten Leute schmeissen ihren Abfall einfach weg. Ich finde das vorbildlich, bis ich bemerke, dass es sich nicht um einen Reinigungstrupp, sondern um ein Recyclingunternehmen handelt, denn ausser Pet und Aludosen wird nichts eingesammelt.





Der Garten wurde vor rund 100 Jahren von den Engländern angelegt, ab und zu steht  an einem Baum ein Schild mit einem Namen. Im Jahre 2001 renoviert, heisst es, ich nehme an, damals kamen die Pagode und die Holzbrücken dazu, die sich nun zusammen mit den noch vorhandenen englischen Anlagen zu einem merkwürdigen Bastard vereinen. Am besten gefallen mir die naturnahem Teile, insbesondere der Sumpfregenwald gibt einen schönen Einblick in solche Vegetationstypen, die sonst nur schwer zugänglich sind.
Ab Mittag tauchen ganze Familien auf um unter den ausladenden Baumkronen zu campieren, es hat etwas sonntägliches. - Habe ich es schon wieder in die Vollmondferien geschafft? Das kenne ich doch von China. Gestern war in der Stadt, besser rund 6 km davon entfernt ein Vollmondfest mit Heissluftballonen, an denen eine Plattform aufgehängt ist, auf der Feuerwerk losgelassen wird. Als ich mit dem Zug ankam, war bereits die ganze Stadt im Festtummel. Horden von Jugendlichen fuhren johlend auf ihren Motorrädern zum Festplatz und auch auf den Ladeflächen von Lastwagen wurden Leute dorthin gekarrt. Da es unterdessen auch anfing mit Knallern, habe ich ebenfalls eine kleine Flasche Whisky gekauft, mich aber anschliessend in mein Hotelzimmer verkrochen, mir sind feiernde Menschenmassen unheimlich, zumal mir Schweizer, die in Taunggy an solch einer Ballon-Feuerwerks-Chilby waren, gesagt haben, dass die Ballone mitunter nicht recht stiegen und die Feuerwerke dann zu tief losgingen.

Mein Weg heute morgen zum See und Garten führte zum Glück über weite Strecken unter ausladenden Bäumen vorbei. Doch da die Hunde hier in den Nebenstrassen häufig aggressiv ihr Territorium verteidigen, folgte ich den stärker befahrenen Strassen. Die prächtigen Villen nach neuchinesischem Geschmack, die den ersten See säumen, sind von hohen, mit Stacheldraht oder Glasscherben bewehrten Mauern umgeben. Sobald die Häuser in Stein gebaut und teurer werden, folgen auch Mauern  mit Bewehrung. Dabei fühle ich mich doch hier so sicher, wie selten auf einer Reise. Die fünf Gebote der Buddhisten, nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen, keine Drogen und keine sinnlichen Ausschweifungen werden hier mindestens in den für mich einsichtigen Teilen bestens befolgt. Da verwirren solch bewehrte Gebäude