Heute viel geschrieben, mails erledigt, nun sitze ich nach Sonnenuntergang auf einer Terrasse am Fluss. Ziemlich leer, keine Touristen, der Himmel ist rot und die Dunkelheit legt bereits ihren gnädigen Mantel über den Abfall. Ich trinke ein Bier und niesse.
Dann gehe ich der Strandroad entlang, es ist nun bereits stockdunkel, in Myanmar verhalte ich mich häufig gegen meinen Instinkt weil alle sagen, wie sicher es sei, immer weiter, einsamer wird es, nur noch Lagerhäuser, der Uringeruch nimmt zu. In einem anderen Land wäre ich schon längstens umgekehrt, doch erst jetzt siegt mein Bauchgefühl über den Kopf. Sobald es etwas belebter wird halte ich in einem Restaurant an, "South Indian Kitchen" ist angeschrieben, ich bestelle ein vegetarisches Biryani. Der Reis sieht ähnlich aus wie in Sansibar, mit vereinzelt orange eingefärbten Körnern, der Geschmack ist ohne die gerösteten Zwiebeln jedoch nicht sehr interessant. Dafür munden mir die drei dazu gereichten Gemüse, grüne Bohnen, ein Kartoffelgericht und eines mit Blumenkohl, umso mehr. Rohe Zwiebeln werden dazu gereicht, frische Minze und ein Süppchen mit Linsen und eine Art Fladenbrot. Alles wunderbar gekocht und kostet zusammen nicht einmal zwei Franken.
Anschliessend will ich schauen gehen, was am Weihnachtsabend in den Kirchen passiert. Das ist rasch gesagt: Die Baptistenkirche ist geschlossen, in einem offenen Gebäude daneben werden Lieder gesungen, die für mich aber nicht besonders weihnächtlich klingen, die grosse Katholische Kirche ist offen und bekränzt, fünf Jugendliche sitzen herum, passieren tut nichts, eine weitere kleine Kapelle ist zwar beleuchtet aber abgeschlossen. - Umso mehr regt sich zur gleichen Zeit im buddhistischen Tempel.
Der Dokumentarfilm, den ich gestern Abend gesehen habe, kommt mir in den Sinn: das Christentum sterbe im Nahen Osten aus, obwohl seine Wiege in Palästina sei. Benachteiligt, vertrieben oder gar ermordet, es gebe keine Zukunft für die Christen dort. Hier wirken die vielen Kirchen zwar gepflegt, man wahrt den Schein, die werden sicherlich aus dem Westen finanziert, doch die Religion - kaum wegen Verfolgung - scheint nicht mehr attraktiv zu sein. Anders der Islam. Den Muezzin hört man zum Gebet rufen, diskreter zwar als das Psalmodieren der Buddhisten, doch gehen Männer in die Moschee und es hat verschleierte Frauen.
Spät ist es noch nicht als ich zurück ins Hotel komme, ein Abend vor dem Fernseher scheint mir passend. Mit schlechten oder christlichen Nachrichten. Oder schlechten christlichen. Weihnachtsabend in Mawlamyine, Mon State, Insekten spazieren über mein pad
Freitag, 27. Januar 2017
23.12.2016, Mawlamyine
Adrenalin und Kanalisation
Stadtspaziergänge in Myanmar sind aufregend. Nicht nur der Verkehr macht mir zu schaffen, insbesondere die unzähligen Motorräder, die ziemlich chaotisch und für mich unvorhersehbar herumkurven, sondern auch die Kanalisationsdeckel. Nachdem mir Anja und Thomas erzählt haben, wie sie einmal in Indien in die Kanalisation eingebrochen seien und bis zum Bauch in der Scheisse gesteckt hätten, schaue ich die teils brüchigen Betonplatten, die die Kanalisation hier abdecken immer etwas misstrauisch an.
Gegen Abend pilgere ich auf den Hügelzug hinter der Stadt, auf der Krete voller Pagoden, Rudjard Kippling soll hier die Inspiration für ein Gedicht gehabt haben, das man, wenn man den Namen "Mawlamyine" im Internet eingibt, immer sofort serviert bekommt:
Die Aussicht auf die Flussmündung mit den vielen Inseln ist wirklich grandios. Der Blick hinunter auf die Stadt mit den vielen, sich nicht bewegenden Rauchsäulen, kein Windhauch weht, unbeweglich starr stehen sie da, ist eher beunruhigend.
Stadtspaziergänge in Myanmar sind aufregend. Nicht nur der Verkehr macht mir zu schaffen, insbesondere die unzähligen Motorräder, die ziemlich chaotisch und für mich unvorhersehbar herumkurven, sondern auch die Kanalisationsdeckel. Nachdem mir Anja und Thomas erzählt haben, wie sie einmal in Indien in die Kanalisation eingebrochen seien und bis zum Bauch in der Scheisse gesteckt hätten, schaue ich die teils brüchigen Betonplatten, die die Kanalisation hier abdecken immer etwas misstrauisch an.
Gegen Abend pilgere ich auf den Hügelzug hinter der Stadt, auf der Krete voller Pagoden, Rudjard Kippling soll hier die Inspiration für ein Gedicht gehabt haben, das man, wenn man den Namen "Mawlamyine" im Internet eingibt, immer sofort serviert bekommt:
Die Aussicht auf die Flussmündung mit den vielen Inseln ist wirklich grandios. Der Blick hinunter auf die Stadt mit den vielen, sich nicht bewegenden Rauchsäulen, kein Windhauch weht, unbeweglich starr stehen sie da, ist eher beunruhigend.
22.12.2016, Mawlamyine
Wieder einmal ein blutroter Sonnenuntergang, normal in den Tropen, der viele Dunst, hier sicherlich auch der Rauch der Feuer, mit denen man versucht, den Abfall zum verschwinden zu bringen, ein hoffnungsloses Unterfangen. Schreiende Möven über dem Wasser, Buddhisten füttern auch die, es könnte alles so romantisch sein. Ich bin am Meckern, meine Erkältung hat wieder einmal einen Zacken zugelegt, kein Wunder hier, wo alle dauernd husten und schneuzen und spuken.
Ich habe gezügelt, fertig mit verlotterter Kolonialarchitektur, in einem Hotel ohne Fenster, oder wie dort, mit Fenstern, die praktisch undurchsichtig waren und von zwei Reihen Vorhängen verdeckt, nein, die dürfe man nicht öffnen, wegen der Mücken, da halte ich es nicht lange aus. Einen IC habe es ja, meint man, und wenn man in dem halbfinsteren Raum etwas sehen will, dann muss der Fernseher genügen. Asiaten stört das offenbar nicht, deshalb werden einem die Zimmer immer mit geschlossenen Vorhängen gezeigt. Wer interessiert sich schon für die Welt dahinter?
Nun hause ich in einem minimalgrossen Zimmer für 25 Dollar. Es ist liebevoll eingerichtet und hat ein Fenster mit Aussicht auf ein wenig Grün, ein wenig Himmel und Dächer. Im "Cinderella" Hotel hat es eine beflissene Crew, die bestens Englisch spricht und einem Fremden viele Probleme abnehmen kann. Einzig störend: Dieses 8.6 im Tripadvisor, das überall angeschlagen steht, wie an anderen Orten das Portrait von Aung Su Kyi. Aber okay, für den Preis wirklich gut. Und noch besser für mich in meinem kränkelnden Zustand: Fernseher mit 5 englischsprachigen und einem französischen Sender. Und damit endlich wieder einmal News. Obwohl: die heben die Stimmung auch nicht gerade.
Heute bin ich den grössten liegenden Buddha Myanmars anschauen gegangen, der ist weder alt, noch fertig gebaut. Ein wahres Wettrennen um religiös-touristische Superlativen gibt es hier, die Bauindustrie frohlockt. Die ältesten Mauern sind noch aus Backstein gebaut und bereits überwuchert, mit dünnem Eisenbeton geht es weiter. Im Inneren des liegenden Buddhas entsteht ein Gruselkabinett, Höllenphantasien, Wikipedia sagt mir, dass auch im Buddhismus - und vom Hinduismus her stammend - eine strafende Unterwelt bekannt ist. Sie tilgt die Sünden aus diesem Leben, erst danach kommt es zu einer Wiedergeburt. Praktisch gleich wie im Christentum wird das Leiden dargestellt, grausam und pervers. Alles im Disneylandstil, Figuren und Halbreliefs, an den Wänden Gemälde, manchmal auch nur Fotoposter, ein wildes Gemisch, aufgemalte Bäume, die teils aus der Wand hervortreten, die Blätter sind aus bemaltem Metall. Verschiedene Stile nebeneinander, egal, passt, wird bestaunt und man kann Geld spenden, damit das Monster irgend einmal fertig wird. - Was aber kaum jemals geschehen wird, denn die ältesten Teile zerfallen bereits
Ich habe gezügelt, fertig mit verlotterter Kolonialarchitektur, in einem Hotel ohne Fenster, oder wie dort, mit Fenstern, die praktisch undurchsichtig waren und von zwei Reihen Vorhängen verdeckt, nein, die dürfe man nicht öffnen, wegen der Mücken, da halte ich es nicht lange aus. Einen IC habe es ja, meint man, und wenn man in dem halbfinsteren Raum etwas sehen will, dann muss der Fernseher genügen. Asiaten stört das offenbar nicht, deshalb werden einem die Zimmer immer mit geschlossenen Vorhängen gezeigt. Wer interessiert sich schon für die Welt dahinter?
Nun hause ich in einem minimalgrossen Zimmer für 25 Dollar. Es ist liebevoll eingerichtet und hat ein Fenster mit Aussicht auf ein wenig Grün, ein wenig Himmel und Dächer. Im "Cinderella" Hotel hat es eine beflissene Crew, die bestens Englisch spricht und einem Fremden viele Probleme abnehmen kann. Einzig störend: Dieses 8.6 im Tripadvisor, das überall angeschlagen steht, wie an anderen Orten das Portrait von Aung Su Kyi. Aber okay, für den Preis wirklich gut. Und noch besser für mich in meinem kränkelnden Zustand: Fernseher mit 5 englischsprachigen und einem französischen Sender. Und damit endlich wieder einmal News. Obwohl: die heben die Stimmung auch nicht gerade.
Heute bin ich den grössten liegenden Buddha Myanmars anschauen gegangen, der ist weder alt, noch fertig gebaut. Ein wahres Wettrennen um religiös-touristische Superlativen gibt es hier, die Bauindustrie frohlockt. Die ältesten Mauern sind noch aus Backstein gebaut und bereits überwuchert, mit dünnem Eisenbeton geht es weiter. Im Inneren des liegenden Buddhas entsteht ein Gruselkabinett, Höllenphantasien, Wikipedia sagt mir, dass auch im Buddhismus - und vom Hinduismus her stammend - eine strafende Unterwelt bekannt ist. Sie tilgt die Sünden aus diesem Leben, erst danach kommt es zu einer Wiedergeburt. Praktisch gleich wie im Christentum wird das Leiden dargestellt, grausam und pervers. Alles im Disneylandstil, Figuren und Halbreliefs, an den Wänden Gemälde, manchmal auch nur Fotoposter, ein wildes Gemisch, aufgemalte Bäume, die teils aus der Wand hervortreten, die Blätter sind aus bemaltem Metall. Verschiedene Stile nebeneinander, egal, passt, wird bestaunt und man kann Geld spenden, damit das Monster irgend einmal fertig wird. - Was aber kaum jemals geschehen wird, denn die ältesten Teile zerfallen bereits
Donnerstag, 26. Januar 2017
21.12.2016, Hpa An
Ein letzter Spaziergang in der Stadt, fast etwas wehmütig bin ich, gehe noch einmal zum See und korrigiere die Koordinaten des Museums in maps.me und füge das hübsche Hotel direkt am Ufer hinzu - jeder kann in maps.me Beiträge bringen, wohl deshalb all die Fehler. Nachher spaziere ich durch sehr grüne Strassen mit dunklen Holzhäusern, auch einige neue massiv gebaute Gebäude, ein angenehmes, ländlich wirkendes Quartier, ich gehe zum Thanlyn River hinunter und dort der stark befahrenen Strandstrasse entlang. Was könnte man hier touristisch noch alles entwickeln! Eine schöne Terrasse auf den Fluss hinaus, mit einer Mauer vor dem Verkehrslärm geschützt, gute Drinks und feine Happen, WIFI natürlich, das wäre bestimmt eine Goldgrube, denn ein angenehmer Ort zum Verweilen, der auch Langnasen gefallen würde, der fehlt bisher in Hpa An. Im letzten Uferstück kurz vor dem Zentrum dann doch noch eine kurze Strandpromenade mit Bänken Richtung Fluss und damit Sonnenuntergang, am Morgen Schatten durch hohe Bäume, durch Gebüsch ist der kleine Park von der Strasse abgeschirmt. Eine ältere Frau deutet mir abzusitzen. Ihr Englisch ist mehr als beschränkt. Kommunikation funktioniert dennoch, Komplimente für mein Longyi wie häufig, ich rühme den Ort. Wir lächeln und glauben verstanden worden zu sein. Die Frau mit dem Kleinkind geht dann weiter, eine Gruppe Knaben zwischen fünf und acht Jahren setzt sich zu mir, sie haben grosse Säcke mit dabei. Ich sehe Aluminiumdosen darin, Rezykling also, Kinderarbeit, einer der Knaben, ein hübscher mit rot gebleichten Haarlocken und bereits angebräunten Zähnen vom Betel, er hat sich einen Zahnstocher als Schmuck in sein Ohrläppchen gesteckt, klaubt stolz eine Sonnenbrille hervor und setzt sie auf. Cool sieht er aus und weiss das. Und fragt nach einem Tausch mit meinem i-phone, was ich entschieden ablehne. Die Mädchen finden nun, man müsste Brillen tauschen und als sie mit den Fingern das Zeichen Geld, Zeigfinger und Daumen rund zu einer Münze geformt (obwohl es in Myanmar schon lange keine Münzen mehr gibt, nur Scheine) machen, meine ich lachend "no money honey", denn Kinder gebe ich prinzipiell kein Geld.
Die Flussfahrt nach Mawlamyine ist okay, ich habe in diesem Land schon interessantere gemacht, das Schiff etwas weniger, vor allem als ich sehe, dass dasjenige, das ich eigentlich buchen wollte gerade nebenan vorbereitet wird. Viel komfortabler wäre es gewesen bei dem stechenden Sonnenschein.
Unterwegs ein Halt bei einem Kloster, speziell ist das, ein anderer Stil als alles, was ich bisher gesehen habe, aus dem 19.Jahrhundert stammend. Mich erinnern die goldüberladenen üppigen Tempel an den Barock in Europa.
Schliesslich Ankunft in Mawlamyine, dem Hauptort des Mon States mit 300`000 Einwohnern, vielen Kolonialbauten, heisst es im Reiseführer, Hauptstadt der Briten während einer gewissen Zeit und Zentrum des Kautschukanbaus. Das "Than Lwin" Hotel, das mir der Ueli wärmstens empfohlen hat, ist nicht nach meinem Geschmack, der Ueli ist wohl in den 5 Jahren hier bereits etwas gar burmesisch geworden, doch der Sonnenuntergang über dem Fluss ist grandios.
Ich will mich auf die Suche nach einer besseren Unterkunft machen und komme an einem modernen Gebäude vorbei, das mir gefällt. Das könnte doch ein Hotel sein? Und wirklich, beim Eingang steht eine Rezeption. Ich frage, ob ich ein Zimmer sehen könne. Etwas zögernd steigt der junge Mann mit mir in den Lift. Plakate über Herzleiden sind dort aufgehängt, merkwürdig, finde ich, und als wir aussteigen sehe ich im Gang Leute im Rollstuhl und Leute mit Infusionsstangen herumgehen. Erst jetzt begreife ich, dass ich wohl in einem Krankenhaus gelandet bin.
20.Dezember 2016, Hpa An
Heute war Organisationstag, Kleider und Haare waschen, man weiss ja nie, wann wieder eine so komfortable Herberge kommt, Kleider flicken, schreiben, und am Nachmittag noch ein Ausflug zu den Kawgun Caves.
Diese Höhlen - die Buddhafiguren sind unter einem stark vorspringenden Felsvorsprung untergebracht - faszinieren selbst eine Abgehärtete wie mich. Nicht eigentlich die Figuren, häufig bunt gemischt, Wertvolles neben Wertlosem, in Myanmar haben sie praktisch alle dieselbe Position - ich lese, dass ab der Spätphase selbst für Stupas Vorlagen gemacht wurden, damit diese rasch in grossen Mengen produziert werden konnten. Position im Lotussitz, die Körper in etwa gleich, einzig beim Aufmalen der Augen und des Mundes haben sich die Künstler etwas Freiheit erlaubt. So kann es vorkommen, dass einem plötzlich einer dieser Buddhas verschmitzt zulächelt. Oder einer, statt nach unten und in sich gekehrt, auf unergründliche Weise in die Ferne blickt.
Besonders sind hier die winzigen, aus Lehm geformten, reliefartigen Buddhafigürchen, mit denen die Höhlenwände vollgeklebt sind. Kleine ockerfarbene Buddhas auf rostrotem Grund, dort wo sie noch gänzlich erhalten sind. Obwohl auch sie in Serie gemacht wurden, hat es hier auch Unvorhersehbares. Die Form der Felsoberfläche verlangt dies, es handelt sich um einen Stalaktitenvorsprung. Von Wasser geformt, von Natur aus nicht für die Ewigkeit gemacht. Zusätzlich Taubenkot und, lese ich, eine Zementfabrik in der Gegend. Für das Rohmaterial werden ganze Felsköpfe weggesprengt und abgebaut, wie wird diese prägnante Landschaft in Bälde aussehen? Die Erschütterungen dieser Explosionen, weiter, die hätten bereits zu grosser Zerstörung an den Wänden geführt. Eine kaum zu bewältigende Aufgabe, der Erhalt dieses wertvollen Ortes. - Und die vielen Buddhas blicken gnädig und unberührt untätig herab. Vergänglichkeit ist für sie sowieso kein Problem.
Was denn das für eine Party sei frage ich unten in der Rezeption? Oh, Weihnachtslieder, ob ich nicht gehört habe? Ja, doch, meine ich, aber sie seien doch Buddhisten. Das schon, aber Christen habe es auch und die würden in Gruppen herum ziehen und singen, um die Leute zu erfreuen.
Weil es schon spät ist, gehe ich in ein Teehaus gleich in der Strasse, das mich immer beim vorbeigehen angezogen hat. "Dumplins" haben sie, diese gedämpften Teigkugeln, die ich von China her kenne. Ich bestelle eine und kriege dann zwei, das scheint die Minimaldosis zu sein. Dazu bestelle ich "Eggplants", was ich mit Aubergine übersetze. Was ich dann tatsächlich erhalte ist eine Art Omelette, ölig und mit Zucker bestreut. Zucker, das hat es hier so ziemlich überall drin, auch im Dumplinteig, dessen Hackfleischfüllung übrigens sehr schmackhaft ist, und im Toastbrot, das man uns Ausländern aus dem Westen am Morgen serviert, gestern wurde mir sogar Zucker über Kokosnussfleisch gestreut. Der sehr fette junge Besitzer, kein Wunder bei dieser Diät, kriegt gerade von einem schmächtigen Jungen eine Rückenmassage verpasst und kaut dazu Kerne.
Auf dem Rückweg begegne ich einer Gruppe singender junger Kayin Christen in traditioneller Kleidung. Sie schauen mich neugierig an.
Diese Höhlen - die Buddhafiguren sind unter einem stark vorspringenden Felsvorsprung untergebracht - faszinieren selbst eine Abgehärtete wie mich. Nicht eigentlich die Figuren, häufig bunt gemischt, Wertvolles neben Wertlosem, in Myanmar haben sie praktisch alle dieselbe Position - ich lese, dass ab der Spätphase selbst für Stupas Vorlagen gemacht wurden, damit diese rasch in grossen Mengen produziert werden konnten. Position im Lotussitz, die Körper in etwa gleich, einzig beim Aufmalen der Augen und des Mundes haben sich die Künstler etwas Freiheit erlaubt. So kann es vorkommen, dass einem plötzlich einer dieser Buddhas verschmitzt zulächelt. Oder einer, statt nach unten und in sich gekehrt, auf unergründliche Weise in die Ferne blickt.
Besonders sind hier die winzigen, aus Lehm geformten, reliefartigen Buddhafigürchen, mit denen die Höhlenwände vollgeklebt sind. Kleine ockerfarbene Buddhas auf rostrotem Grund, dort wo sie noch gänzlich erhalten sind. Obwohl auch sie in Serie gemacht wurden, hat es hier auch Unvorhersehbares. Die Form der Felsoberfläche verlangt dies, es handelt sich um einen Stalaktitenvorsprung. Von Wasser geformt, von Natur aus nicht für die Ewigkeit gemacht. Zusätzlich Taubenkot und, lese ich, eine Zementfabrik in der Gegend. Für das Rohmaterial werden ganze Felsköpfe weggesprengt und abgebaut, wie wird diese prägnante Landschaft in Bälde aussehen? Die Erschütterungen dieser Explosionen, weiter, die hätten bereits zu grosser Zerstörung an den Wänden geführt. Eine kaum zu bewältigende Aufgabe, der Erhalt dieses wertvollen Ortes. - Und die vielen Buddhas blicken gnädig und unberührt untätig herab. Vergänglichkeit ist für sie sowieso kein Problem.
Was denn das für eine Party sei frage ich unten in der Rezeption? Oh, Weihnachtslieder, ob ich nicht gehört habe? Ja, doch, meine ich, aber sie seien doch Buddhisten. Das schon, aber Christen habe es auch und die würden in Gruppen herum ziehen und singen, um die Leute zu erfreuen.
Weil es schon spät ist, gehe ich in ein Teehaus gleich in der Strasse, das mich immer beim vorbeigehen angezogen hat. "Dumplins" haben sie, diese gedämpften Teigkugeln, die ich von China her kenne. Ich bestelle eine und kriege dann zwei, das scheint die Minimaldosis zu sein. Dazu bestelle ich "Eggplants", was ich mit Aubergine übersetze. Was ich dann tatsächlich erhalte ist eine Art Omelette, ölig und mit Zucker bestreut. Zucker, das hat es hier so ziemlich überall drin, auch im Dumplinteig, dessen Hackfleischfüllung übrigens sehr schmackhaft ist, und im Toastbrot, das man uns Ausländern aus dem Westen am Morgen serviert, gestern wurde mir sogar Zucker über Kokosnussfleisch gestreut. Der sehr fette junge Besitzer, kein Wunder bei dieser Diät, kriegt gerade von einem schmächtigen Jungen eine Rückenmassage verpasst und kaut dazu Kerne.
Auf dem Rückweg begegne ich einer Gruppe singender junger Kayin Christen in traditioneller Kleidung. Sie schauen mich neugierig an.
19.12.2016,Hpa An
Wenn ich den Restaurant-Tipps von Tripadvisor oder von mobilen Ortungsdiensten folge, dann komme ich bestimmt immer an Orte, wo ich Langnasen treffe. Da merkt man, wie stark wir Touristen doch geleitet und gleichgeschaltet werden und nur sehen und antreffen, was man für uns vorgesehen hat, oder anders gesagt, was man kennt. Ich sitze im "Lucky2", eigentlich wollte ich in das "Khit Thit", aber sobald ich sitze bemerke ich, dass das gleich gegenüber liegt und ebenfalls gut mit Backpackern besetzt ist. Ich bin Downtown, würde man hier wohl sagen, das Quartier rings um den Markt.
Gestern Abend, nach dem obligatorischen Sonnenuntergang bei der Shweyinmayaw Pagode am Fluss - die heissen alle immer ähnlich - gehe ich in eine dieser namenlosen Teestuben, blicke in die Aluminiumtöpfe, die dort aufgestellt sind, wähle Blattgemüse und Poulet in roter Sauce, beides wunderbar gekocht. Über die Hygiene will ich nichts wissen, Tripadvisor kennt den Ort nicht.
Langsam kommt Weihnachten und damit die Feiertage, ich habe es verpasst, Hotels im voraus zu reservieren und gelobe mir so Buddhagelassenheit. - Obwohl ich einen gewissen Überdruss an Buddha nicht leugnen kann und Angst davor habe, dass daraus gar eine -vergiftung wird. Die unzähligen Abbildungen, die Stupas und Pagoden, in dieser Region hauptsächlich in Höhlen und auf Felszähnen, ein Karstgebiet - lese ich im Internet, gar nicht so einfach sich über diese Gegend zu informieren - Karst also, weich und löcherig und von Wasser zerfressen. Die Buddhas und Stupas, immer bestens exponiert - erstaunlich, wie die es geschafft haben das Material dort hinauf zu schaffen - Potenzprotze, erigierte Penisse allüberall. Oder anders gesagt: Man zeigt seine Macht gerne und ist stolz auf das Gold. 60 Tonnen sollen es allein bei der Shwedagon Pagode sein. Undenkbar was passieren würde, wenn die Burmesen plötzlich entscheiden würden das alles zu verkaufen und dafür ihr Land zu entwickeln. - Dies jedoch, wird bestimmt nicht geschehen. Schon nur, weil damit der Goldpreis weltweit zusammenbrechen würde.
Als erstes fahren wir zum Kayin National Museum. Die Sammlung von Kleidern und Brauchtum der Kayin ist interessant, könnte besser aufbereitet sein, aber immerhin, da habe ich auch schon Schlechteres angetroffen. Mir wird bewusst, dass selbst die Kayin keine geeinte Gruppe sind, es gibt Untergruppierungen, auch die Pa-O, die wir am Inle See besucht haben, sind Kayin. Hpa An ist übrigens der Hauptort des Kayin States, rund 50'000 Einwohner und eine Universität. - Ich frage den Fahrer, der mich interessiert durch die Ausstellung begleitet, ob er noch traditionelle Kleidung trage und er meint lachend "nein". Geheiratet hat er nicht auf die beschriebene traditionelle Art und auch die weiteren Bräuche, findet er, würden kaum mehr praktiziert.
Nach einer anstrengenden Motorradfahrt erreichen wir die Saddar Caves. Buddhafiguren stehen am Eingang. Anschliessend geht es durch eine schwach beleuchtete Höhle, ein paar Tropfsteine, der Boden ist lehmig und glitschig und natürlich muss man barfuss laufen. Ich bin ganz allein und überhaupt, ich mag Höhlen nicht. Plötzlich stosse ich auf drei Personen und lasse mir sagen, ich solle den Weg aussen um den Felszacken herum nehmen, dann käme ich auch an den verborgenen See. Dank maps.me finde ich diesen Weg bis zu der Stelle, wo steht "cold local drinks", von hier aus muss man ein Boot nehmen. Wunderschön ist die ruhige Fahrt durch die Reisfelder und schliesslich durch ein breites, aber niedriges Felsentor an diesen verwunschenen See, der von Felsen umschlossen etwas ganz besonderes ist.
Gestern Abend, nach dem obligatorischen Sonnenuntergang bei der Shweyinmayaw Pagode am Fluss - die heissen alle immer ähnlich - gehe ich in eine dieser namenlosen Teestuben, blicke in die Aluminiumtöpfe, die dort aufgestellt sind, wähle Blattgemüse und Poulet in roter Sauce, beides wunderbar gekocht. Über die Hygiene will ich nichts wissen, Tripadvisor kennt den Ort nicht.
Langsam kommt Weihnachten und damit die Feiertage, ich habe es verpasst, Hotels im voraus zu reservieren und gelobe mir so Buddhagelassenheit. - Obwohl ich einen gewissen Überdruss an Buddha nicht leugnen kann und Angst davor habe, dass daraus gar eine -vergiftung wird. Die unzähligen Abbildungen, die Stupas und Pagoden, in dieser Region hauptsächlich in Höhlen und auf Felszähnen, ein Karstgebiet - lese ich im Internet, gar nicht so einfach sich über diese Gegend zu informieren - Karst also, weich und löcherig und von Wasser zerfressen. Die Buddhas und Stupas, immer bestens exponiert - erstaunlich, wie die es geschafft haben das Material dort hinauf zu schaffen - Potenzprotze, erigierte Penisse allüberall. Oder anders gesagt: Man zeigt seine Macht gerne und ist stolz auf das Gold. 60 Tonnen sollen es allein bei der Shwedagon Pagode sein. Undenkbar was passieren würde, wenn die Burmesen plötzlich entscheiden würden das alles zu verkaufen und dafür ihr Land zu entwickeln. - Dies jedoch, wird bestimmt nicht geschehen. Schon nur, weil damit der Goldpreis weltweit zusammenbrechen würde.
Als erstes fahren wir zum Kayin National Museum. Die Sammlung von Kleidern und Brauchtum der Kayin ist interessant, könnte besser aufbereitet sein, aber immerhin, da habe ich auch schon Schlechteres angetroffen. Mir wird bewusst, dass selbst die Kayin keine geeinte Gruppe sind, es gibt Untergruppierungen, auch die Pa-O, die wir am Inle See besucht haben, sind Kayin. Hpa An ist übrigens der Hauptort des Kayin States, rund 50'000 Einwohner und eine Universität. - Ich frage den Fahrer, der mich interessiert durch die Ausstellung begleitet, ob er noch traditionelle Kleidung trage und er meint lachend "nein". Geheiratet hat er nicht auf die beschriebene traditionelle Art und auch die weiteren Bräuche, findet er, würden kaum mehr praktiziert.
Nach einer anstrengenden Motorradfahrt erreichen wir die Saddar Caves. Buddhafiguren stehen am Eingang. Anschliessend geht es durch eine schwach beleuchtete Höhle, ein paar Tropfsteine, der Boden ist lehmig und glitschig und natürlich muss man barfuss laufen. Ich bin ganz allein und überhaupt, ich mag Höhlen nicht. Plötzlich stosse ich auf drei Personen und lasse mir sagen, ich solle den Weg aussen um den Felszacken herum nehmen, dann käme ich auch an den verborgenen See. Dank maps.me finde ich diesen Weg bis zu der Stelle, wo steht "cold local drinks", von hier aus muss man ein Boot nehmen. Wunderschön ist die ruhige Fahrt durch die Reisfelder und schliesslich durch ein breites, aber niedriges Felsentor an diesen verwunschenen See, der von Felsen umschlossen etwas ganz besonderes ist.
18.12.2016, Hpa An
Mein erster Tag im Ort, es ist Sonntag, ich will es ruhig angehen und spaziere erst einmal zum See. Von dort aus spaziere ich Richtung dem Tal weiter, in dem die mir empfohlene "Hpa An" Lodge liegen soll. Da hält ein Motorradfahrer und fragt mich, ob ich zum Mount Zwegabin gehen wolle? So wechsle ich meinen Plan. Von den "Lumbini Gardens" führt ein Pilgerweg auf das in 760m Höhe gelegene Kloster, das auf einem zerfressenen Felsenzahn liegt. 10 Uhr ist vorbei, eigentlich zu spät für einen Aufstieg, viel zu heiss, zudem habe ich meinen Knien einen Ruhetag versprochen. Trotzdem, mal schauen, wie weit wir hinauf kommen. Steil ist es, praktisch alles Treppenstufen und manche sind kniehoch, doch der Weg ist gut gesichert, an den meisten Stellen Geländer und die Aussicht wird immer besser. Wieder werde ich unterwegs begrüsst und beschenkt, Feuchttücher für den Schweiss und Bisquits, und Wasser. Auf dem Zwegabin gibt es kein Essen und am Weg nur Getränke, so ich bin sehr froh um die Gaben. Herzlichen Dank den Spendern!
Auch der Abstieg gelingt ohne Ausstieg meiner Knie, ich bin ihnen wirklich sehr dankbar, das war doch gerade etwas viel. Auf der Strasse im Tal laufe ich Richtung Hpa An und will in der Lodge gleichen Namens etwas trinken und mir ein Taxi bestellen. So weit kommt es allerdings nicht, bereits hält ein Auto mit einheimischen Sonntagsausflüglern. Eine der Frauen spricht recht gut Englisch. Krankenschwester sei sie, ein schwerer Beruf, viel Geduld brauche das, und die habe sie nicht immer, ich habe Verständnis. Direkt vor meinem Hotel werde ich abgestellt.
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